Seit 50 Jahren sind die Musikfreunde nicht zu überhören
Weil sie anfangs „Panikorchester“ hießen, haben sie in Lantershofen den Namen weg
Panikorchester, was für ein Name. Für den stand in Lantershofen weniger die gleichnamige Band von Altrocker Udo Lindenberg Pate, sondern eher die Angst vor dem ersten Auftritt vor Publikum. Mittlerweile sind aus dem Panikorchester die Musikfreunde Lantershofen geworden, die Angst ist Selbstsicherheit gewichen. Denn das Orchester, das vor 50 Jahren gegründet wurde, ist heute eines der größten Blasmusik-Orchester im Kreis Ahrweiler. Und es ist ein Generationenprojekt.
Viele Lantershofener Ideen, die in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts ausgebrütet wurden, haben ihre Wurzeln in der ehemaligen Dorfgaststätte „Zur Post.“ Dort gab es keine Sitzplätze an der Theke, dafür aber mehrere Stammtische. Und an einem dieser Tische meinte im Oktober 1976 der mittlerweile verstorbene Gerhard Schaaf zu seinem Sitznachbarn Heinz Bach: „Wir könnten eigentlich ´ne Tröteverein aufmachen.“ Gerade war die im Ort immer groß gefeierte Kirmes vorüber, da kam den beiden diese Idee in den Sinn.
Es sollte der Beginn einer Musikgeschichte werden. Denn schon kurze Zeit nach dem ominösen Treffen wollten sieben weitere Personen – allesamt Männer – mitmachen. Die Gründungsmitglieder hießen neben den beiden Ideengebern Heinrich Wolber, Werner Efferz, Heinz Doll, Franz-Peter Efferz, Arnold Wronka, Manfred Sebastian und Willi Bach. Jeder brachte erst einmal 350 Mark in die Kasse ein, beschloss die Gründungsversammlung in der Post. Gerhard Schaaf wurde erster musikalischer Leiter, geprobt wurde im Mannschaftsraum der Kettiger Thonwerke.
Woher kam die Panik? Beim ersten Auftritt an Heiligabend 1976 trauten sie sich noch nicht so richtig, nach der Christmette vor der Kirche zu musizieren und verlagerten die Bühne auf einen Speicher in der Nähe. Die erste Gage war eine Runde Bier, als die Musiker einen Musikwunsch erfüllten.
Aber fortan waren sie nicht mehr zu halten. Erst im Jahr 1978 gaben sich die Musiker offiziell den Namen „Panikorchester“ und wurden dann fester Bestandteil der Fronleichnamsprozession der Pfarrei Karweiler-Lantershofen. Nach dem Tod von Gerhard Schaaf übernahm mit Ernst Rhon ein Student des Priesterseminars auf Burg Lantershofen die musikalische Leitung.
Bis zum ersten bezahlten Auftritt vergingen sieben Jahre, dann kassierte das Panikorchester für sieben Stunden Musik bei der Eröffnung einer Tankstelle 600 D-Mark. Damit begann die Nachfrage, in den weiteren drei Jahren zählte das auf 14 Musiker angewachsene Orchester 80 weitere Auftritte und gab sich eine erste Satzung. Heinz Bach wurde erster gewählter Vorsitzender. Das war am 15. November 1984.
Der Tod von Gerhard Schaaf und der Weggang von Ernst Rhon stürzten die Paniker aber auch in eine erste Krise. Parallel schwächelte auch das Tambourcorps der örtlichen Junggesellen-Schützen. Manfred Sebastian war es in dieser Zeit zu verdanken, dass beide Gruppen zusammengingen. Im Jahr 1989 wurde daraus der Verein „Musikfreunde Lantershofen“, der Beiname Panikorchester blieb. Erfolgreichen Jahren stand nun nichts mehr im Wege. Das Orchester wurde auch dank einer fundierten Jugendausbildung immer größer, zeitweise gab es ein eigenes Jugendorchester mit mehr als 30 jungen Musikern. Über die Jugend konnten nach und nach auch deren Eltern für die Musikfreunde gewonnen werden. Es gingen zudem drei Berufsmusiker aus der kontinuierlichen Nachwuchsarbeit hervor.
Die Lantershofener Musiker waren omnipräsent in der Region. Aber nicht nur dort: 1992 besuchten sie die Kieler Woche, sie spielten in der Grafschafter Partnergemeinde Fauville-en-Caux in der Normandie oder im Rahmen des Projekts „Kulturhauptstadt Europas“ auf dem Ruhrpottschnellweg in Essen. Und auch die Bundesgartenschau in Koblenz war ihre Bühne.
Auch internationale Gäste bereicherten immer wieder die Konzerte. Musiker aus Namibia, den Niederlanden, USA, Spanien, Taiwan und Kolumbien sorgten für überraschende Klangerlebnisse. Im Jahr 2003 wurden die Zuhörer zu einem Konzert mit südafrikanischer Musik eingeladen. Dazu gab es immer wieder Ideen für Mitgliedergewinnung. So bescherte die „Bläserklasse für Erwachsene“ dem Orchester im Jahr 2017 auf einen Schlag 30 neue Mitglieder.
Und dann kamen bewegte Zeiten: Während der Corona-Pandemie fanden auf verschiedenen Grundstücken Freiluft-Proben statt, bis sich ein halboffener Probenort in den Kettiger Thonwerken fand. Nach der Flutkatastrophe im Ahrtal sammelten die Musikfreunde bei vier Benefizkonzerten Gelder für Musiker und Bläserklassen der Gymnasien, wo Instrumente zerstört wurden.
Die letzte große Zäsur gab es 2023: Nach 47 Jahren „Panik“ gab Manfred Sebastian den Taktstock an Frank Weiß ab und setzte sich mit seiner Posaune zu den anderen Musikern. Ein Jahr später wurde Johanna Schmidt die fünfte offizielle Vorsitzende seit der Eintragung ins Vereinsregister nach Heinz Bach (1984-2005), Franz Xaver Betz (2005-2016), Hubertus Feist (2016-2022) und Sabine Franken (2022-2024).
Müde werden sie in Lantershofen übrigens nicht. Wenn die Feiern zum 50-jährigen Bestehen beendet sind, startet bei den Musikfreunden wieder eine Bläserklasse für Kinder und Erwachsene. Zunächst aber wird am 8. und 9. August mit einem „LA Blas- und Brassfestival“ gefeiert. Am Samstag, 8. August, sind Die Calmbacher (16 Uhr) und Ahrtalblech (18 Uhr) am Winzerverein zu hören. Um 20.30 Uhr treten im Winzerverein Brassers auf. Tags drauf spielen nach einem Gottesdienst in der Lambertuskirche (9.30 Uhr) am Winzerverein das Tambourcorps der örtlichen Junggesellen-Schützen (11.30 Uhr) und die Musikvereinigung Bad Neuenahr-Ahrweiler (13 Uhr). Ausklang ist ab 15 Uhr im Weingut Althammer. Fast alle Angebote sind frei, nur für das Konzert der Brassers können Tickets über www.kulturlant.de erworben werden.