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Flötentöne von Vivaldi und ACDC

Von Thomas Weber |

„Wildes Holz“ sorgten für ein außergewöhnliches Weihnachtskonzert in Lantershofen

Der Grafschafter Verein Kulturlant hatte Advent und Weihnachten im Blick. Alljährlich ist man in Lantershofen um ein besonderes Weihnachts-Event bemüht. In diesem Jahr hieß der Titel „Alle Jahre wilder“, dahinter zu finden waren die Musiker von „Wildes Holz.“ Die geben in ihrer Musik vor allem der unter manchem Weihnachtsbaum zu findenden Blockflöte eine ganz außergewöhnliche Hauptrolle. Tobias Reisige beherrscht das Instrument wie kaum ein anderer. Dabei hat er nicht nur eine Blockflöte im Koffer, die ganze Instrumentenfamilie reist mit ihm durch die Republik, von der Mini-Sopranflöte für die Jackentasche bis hin zur mannshohen Subgroßbassblockflöte, die in ihrer eckigen Form mehr an einen Marterpfahl erinnert. Aber auch da kommt Musik raus. An seiner Seite hat Reisige seit zwei Jahrzehnten Markus Conrads. Auch er liebt die Extreme der Instrumentengrößen, bestich am Kontrabass ebenso, wie an der Mandoline. Mit E-Gitarre und akustischer Gitarre komplettierte Johannes Behr die dreiköpfige Instrumentalband, die alles andere spielt, als das, was man von einer solchen Besetzung erwartet. Nur einmal tanzten sie an diesem Abend in Lantershofen nicht aus der Reihe, nämlich beim Vortag von Antonio Vivaldis Konzert für Flöte und Geige. Obwohl: statt drei spielten Wildes Holz nur zwei Sätze, dabei zunächst den zweiten, dann den ersten Satz. Die Tonart war mit C-Dur auch eine andere, als bei Vivaldis Original und die Geigen ersetzte die Gitarre. „Wildes Holz“ halten sich einfach nicht an die Originale. Zumindest diese Erkenntnis zog sich wie ein roter Faden durch das zweistündige Programm. Immer wieder wurden da Titel zusammengemischt. Titel, die eigentlich so ganz und gar nicht zusammenzumischen sind. Aber die Überschrift „Weihnachtskonzert“ verlangte es wohl so. Ein Beispiel: „Maria, come as you are durch ein Dornwald.“ Ein deutschsprachiges Adventslied aus dem 16. Jahrhundert trifft Nirvana. Manchmal muss man es nur mal probieren und siehe da, es passte.

Und was man nicht so alles aus der Blockflöte zaubern kann. Da wurde Heinz Rudolf Kunzes Stück „Brille“ neu interpretiert. Da kam Madonna mit „Like a virgin“ zu Gehör – passt ja irgendwie auch zu Weihnachten. Auf der Mandoline ließ Markus Konrads den R.E.M.-Klassiker „Losing my Religion“ erklingen und aus den „Kling, Glöckchen“ wurden die „Swing, Glöckchen.“ „Frosty the Snowman“ auf Holz klang verblüffend gut vom gestrichenen Kontrabass. Zwischendurch setzte Tobias Reisige zum Loop mit fünf verschiedenen Blockflöten an, ehe er sein größtes Blasinstrument hervorholte, um Grönemeyers „Mensch“ darzubieten. Und dann ging es auch noch den Synthesizer-Sünden der 90er-Jahre an die Kragen. „Rhythm is a Dancer“ oder „Coco Jambo“ hören sich auf der Blockflöte doch mindestens genauso gut an. Man muss es nur probieren. Und weil am Ende statt der dicken Glocke das Weihnachtsglöckchen erklang, wurde der AC/DC-Kracher „Hells Bells“ auch noch mit „Jingle Bells“ garniert. Ein außergewöhnliches Programm, nach dem das Publikum die drei Musiker gar nicht mehr von der Bühne lassen wollte. Erst, als Markus Conrads auch noch einer riesigen Säge „Leise rieselt der Schnee“ entlockte, war das Konzert beendet.

Derweil startete bei Kulturlant der Vorverkauf für das Weihnachtskonzert des kommenden Jahres, am 7. Dezember 2022 ist der Tölzer Knabenchor mit der Alpenländischen Weihnacht in der Lantershofener Kirche zu Gast.