Zum Inhalt springen

Partielle Sonnenfinsternis am 12. August 2026 – so lief sie über Lantershofen ab

Von Dorf in der Zeit e.V. |

Die Sonne als Sichel

Es war das größte Himmelsereignis über Deutschland seit der Jahrhundertfinsternis von 1999: Am Abend des Mittwochs, 12. August 2026, schob sich der Mond vor die Sonne und bedeckte über Lantershofen fast neun Zehntel der Sonnenscheibe. Wer zwischen 19:19 und 21:00 Uhr freie Sicht nach Westen hatte, konnte verfolgen, wie aus der Abendsonne eine schmale, gleißende Sichel wurde.

Für Lantershofen ergab sich:

  • 19:19 Uhr - Erster Kontakt: der Mond berührt den Sonnenrand (0 % Bedeckung)
  • 19:45 Uhr - Erste Delle deutlich erkennbar (36 % Bedeckung)
  • 20:13 Uhr - Maximum (88,6 % Bedeckung)
  • 20:45 Uhr - Mond gibt die Sonne wieder frei
  • 21:00 Uhr - Sonnenuntergang

Das Ganze dauerte also rund eine Stunde und 45 Minuten. Damit hatte Lantershofen mit die besten Karten in ganz Deutschland: Weiter im Osten und Süden – in Dresden, München oder Passau – ging die Sonne noch tief verfinstert unter, in Wien und Graz sogar, bevor das Maximum überhaupt erreicht war. Bei uns dagegen war fast der komplette Verlauf zu sehen.

Der Grund liegt in der Geografie der Finsternis: Je weiter westlich und nördlich, desto höher stand die Sonne im entscheidenden Moment. Die Bedeckung selbst nahm nach Südwesten hin zu – von 83,8 Prozent auf Rügen bis 90,3 Prozent in Freiburg. Unsere 88,6 Prozent liegen im oberen Bereich und praktisch gleichauf mit Bonn (88,3 %), Köln (88,3 %) und Koblenz (88,5 %).

Diese Finsternis unterschied sich von allen früheren in einem Punkt: Sie fand fast am Horizont statt. Eine Baumreihe, ein Nachbarhaus oder eine Hecke genügten damit, um das gesamte Schauspiel zu verdecken. 

Eine Besonderheit hatte der 12. August noch: In derselben Nacht erreichten die Perseiden ihr Maximum. Weil eine Sonnenfinsternis definitionsgemäß bei Neumond stattfindet, war der Himmel danach vollkommen mondlos – beste Bedingungen für Sternschnuppen. Diese Kombination gibt es rechnerisch nur alle paar Jahrzehnte. Der Strom läuft noch bis etwa zum 24. August aus, mit sinkender Rate, aber weiterhin ohne störendes Mondlicht.

Für die Photovoltaik in der Region blieb die Finsternis diesmal folgenlos: Um 20:13 Uhr stand die Sonne bereits so tief, dass kaum noch nennenswerte Einspeisung anlag. Bei der Finsternis am 20. März 2015, die mitten am Vormittag stattfand, war das anders – damals war der Verlauf ein europaweit beachteter Test für die Netzführung.

Wie geht es weiter am Himmel?

  • 28. August 2026: eine fast totale Mondfinsternis in den frühen Morgenstunden – ganz ohne Filter zu beobachten, das bloße Auge genügt.
  • 2. August 2027: die nächste Sonnenfinsternis, total über Südspanien, Nordafrika und Ägypten; bei uns nur eine deutlich schwächere partielle Phase am Vormittag.
  • 3. September 2081: erst dann ist von Deutschland aus wieder eine totale Sonnenfinsternis zu sehen.

Wer noch eine zertifizierte Finsternisbrille nach ISO 12312-2 im Schrank hat: nicht wegwerfen. Solange Folie und Fassung unbeschädigt sind – vor dem nächsten Einsatz gegen eine helle Lampe halten und auf Löcher, Kratzer und Falten prüfen –, taugt sie für die nächste Finsternis 2027.